Was ist Trauer?

Selten wissen Menschen, was Trauer wirklich ist und was sie bedeutet.

Trauer ist eine natürliche und normale Reaktion auf Gefühlsebene bei dem Verlust eines geliebten Menschen, eines geliebten Tieres, einer Sache oder einer Vorstellung.
Sie ist ein starker seelischer Schmerz, der mit Hilflosigkeit, Verzweiflung und Rückgang der Lebensfreude einhergeht.

 

Die Trauer ist keine bestimmte Zeit, die vergeht und danach ist alles wieder gut, sie beschreibt vielmehr die Arbeit und Zeit, die benötigt, um den Verlust zu verarbeiten.

Irreführend ist der bekannte Satz: „Die Zeit heilt alle Wunden.“

Denn, meiner Meinung nach, ist diese Aussage falsch.

Deshalb gibt es auch den Begriff Trauerarbeit.

 

Frau Dr. Verena Kast, Schweizer Psychologin in Professorin der Psychologie, teilt die Trauer in vier Phasen auf.

1. Nicht-Wahrhaben-Wollen

  1. Aufbrechende Emotionen
  2. Suchen, finden, sich trennen
  3. Neuer Selbst- und Weltbezug

 

Phase 1, Das Nicht-Wahrhaben-Wollen

Wie der Name schon sagt, man will die Tatsache nicht wahrhaben. Der Mensch fällt in einen Schock-Zustand und fühlt sich oft leer und „funktioniert“ nur. Gefühlt bleibt die Welt stehen und man fragt sich, wann der schlechte Traum endlich vorbei ist.

Die Phase ist die kürzeste der Vier, ich habe erlebt, dass sie von Stunden bis Wochen dauern kann.

 

Phase 2, aufbrechende Emotionen

 

In dieser Phase hat man langsam erkannt, dass der Verlust echt ist und die Emotionen brechen los. Trauer, Angst, Wut, Zorn, Freude, alle Gefühle laufen durcheinander aufeinanderfolgend ab, je größer die Bindung war, desto intensiver fallen die Emotionen aus. Schuldige werden gesucht, Vorwürfe gemacht und Szenarien mit „was wäre gewesen, wenn ich dieses oder jenes gemacht oder gelassen hätte“ oder „hätte ich doch bloß…“ gestaltet. Die Dauer dieser Phase streckt sich von Wochen bis zu Jahren.

 

Phase 3, suchen, finden, sich trennen

 

Nun tastet sich der Trauernde in Phase 3 an die neuen Umstände im Alltag. Gemeinsame Plätze oder Räume werden aufgesucht, Erinnerungen durchlebt und man wird mit der Wirklichkeit konfrontiert. Hier gilt es die Veränderung zuzulassen, sonst verliert man den Kontakt zur Außenwelt und endfremdet sich. Jetzt ist es auch an der Zeit, ungelöste Probleme zu besprechen und zu lösen, hier kann und darf es zu Wutausbrüchen kommen. So kann man sich langsam trennen und loslassen und in die 4. Phase übergehen.

 

Phase 4, neuer Selbst- und Weltbezug

 

Der Verlust wird akzeptiert und ein neuer Lebensabschnitt beginnt mit einem neuen Ich. Gewohnheiten, Alltag sowie Lebensstil ändern sich in dieser Phase oft, man ist nun bereit für neue Beziehungen, denn man hat gelernt, dass ein Verlust zwar schmerzhaft ist, aber die Liebe, die man in einer Beziehung erfahren kann es durchaus wert ist.

Gleichzeitig ist die 4. Phase auch die Letzte, die Trauerarbeit war erfolgreich.

 

Erst wenn man alle Phasen durchlaufen hat, kann man die Trauer als „Freund“ sehen und positiv an den oder das Verlorene denken und die Zeit, die man zusammen hatte, dankbar annehmen.